“Stoffwindeln können über viele Jahre hinweg verwendet werden”. Dieser Satz ist erstmal richtig - aber oft passieren hier auch Enttäuschungen. Denn abhängig von Windelart, Handhabung und Nutzungshäufigkeit kann die Windel für ein oder mehrere Kinder problemlos oder aber nur eingeschränkt genutzt werden.

Aber was beeinflußt die Haltbarkeit von Stoffwindeln?

In den nächsten Abschnitten stelle ich die einzelnen Schwachstellen vor, warum etwas passieren kann und Du bekommst Tipps um den Verschleiß zu minimieren.

Die größten Probleme und Abnutzungen treten bei Komplettwindeln, Überhosen und Höschenwindeln auf. Einfache Faltwindeln und Saugeinlagen sind in den meisten Fällen problemlos über mehrere Kinder hinweg nutzbar.

Im wesentlichen beeinflußen die folgenden Punkte die Haltbarkeit einer Stoffwindel:

  • Das Größensystem: Eine Mitwachsende Windel (OneSize) wird über lange Zeit hinweg bei einem Kind verwendet und wird teilweise über 200x gewaschen/getrocknet. Das halten die Windeln meist aus - aber oft sind sie danach gerade an den Stellen der Gummis, Klett, Knöpfe oder Beschichtung oder Saugleistung nicht mehr ganz in Ordnung.
  • Art der Verarbeitung (Windelsystem): eine einfache Faltwindel ist stabiler als eine Höschenwindeln mit Gummis, Kletts oder sogar All-in-One Windel mit angenähtem Nässeschutz. Je aufwändiger eine Windel gestaltet ist, umso mehr Stellen gibt es an denen ein Verschleiß auftreten kann.
  • Lagern / Waschen der schmutzigen Windeln. Je nachdem wie die Windeln gelagert werden, wie häufig sie mit welchem Waschmittel bei welcher Temperatur, Schleuderzahl und Wasserhärte sie gewaschen werden können auch hier manche Stoffwindeln schneller bei der einen Familie verschleißen als bei einer anderen Familie.

Schauen wir uns das doch mal genauer an:

Haltbarkeit One Size Windel versus Two Size Windel

Angenommen Stoffwindeln werden 36 Monate verwendet und immer am 4. Tag gewaschen. Dann sind das 365x3 = 1095 / 4 = 273 mal verwendet!!! Und selbst wenn wir sagen “nur” 200 mal - das ist wahnsinnig viel!

Bei Eingrößenwindeln ist die Nutzungsdauer nun am Stück - und so kann es sein, dass die Windel nach dem ersten Kind wirklich nicht mehr so toll ist für das zweite Kind. Bei den Mehrgrößenwindeln fällt das nicht so auf, denn Kind 1 trägt Größe XS vielleicht 4 Monate, Größe S 4 Monate, Größe M 12 Monate, Größe L 16 Monate. Somit ist jede Windelgröße nach dem ersten Kind in einem besseren Zustand und kann für das zweite Kinder genutzt werden.

Und schon mal darüber nachgedacht: Viele Menschen tragen ihre Unterwäsche weniger lang. Gehen wir davon aus dass eine erwachsene Person mindestens 8 Unterhosen besitzt, diese also nur 1 x pro Woche trägt, dann wären das über 4 Jahre und viele müssen die Unterhosen schon vorher aussortieren, da die Gummis gar nicht so lange halten und ausleieren. Wer beschwert sich denn da?

Verarbeitung

Einen großen Einfluss auf die Haltbarkeit einer Stoffwindel hat die Verarbeitung. Je mehr eine Windel verarbeitet ist, desto mehr Schwachstellen gibt es. Eine einfache Faltwindel aus Baumwolle ist einfach nur ein rechteckiges Stück Stoff. Ohne Klett, ohne Gummis, ohne Knöpfe. Denn genau diese Bestandteile sind die Schwachstellen eines jeden Kleidungsstücks und dort treten dann Probleme auf.

Gummibänder

Das ist vielen auch von der Unterwäsche bekannt. Die Gummis leiern aus, dadurch liegen die Beinbündchen nicht mehr gut an und hier kann dann Nässe auslaufen. Gründe können sein:

  • Lagerung im feuchtwarmen Klima von Wetbag oder Windeleimer.
  • Abhilfe: nicht zu lange lagern.
  • Zu volle Waschmaschine: die Gummis werden beim Waschen in der Maschine beansprucht, gezerrt und gedrückt.
  • Abhilfe: Waschmaschine nicht zu voll machen.
  • Trockenweise: die Bänder mögen oft nicht die Hitze im Trockner oder leiern einfach aus wenn die nasse Stoffwindel auf der Leine aufgehängt wird.
  • Im Trockner nur auf Schonstufe trocken und auf dem Wäscheständer die Windeln über mehrere Leinen legen. So wird das “Aushängen” vermieden.
  • Eventuell ist das verwendete Gummiband nicht so stabil gegen Ammoniak.
  • Hier hilft nur Rückmeldung an die Hersteller. Je öfter sie solche Hinweise erhalten, umso eher könnte es an der verwendeten Qualität liegen.

Klettverschlüsse

Die Klettbänder bestehen immer aus zwei Bestandteilen: dem Flausch (unproblematisch) und die Haken. Und die Haken verursachen die Probleme, denn sie verhaken sich oft an anderen Stoffen, kratzen an den Oberflächen und können so auch z. B. Beschichtungen von PUL-Überhosen angreifen.

  • Abhilfe: die Klettverschlüsse vor dem Waschen auf jeden Fall schließen (dafür ist der sogenannte Gegenklett da). Eventuell ein Wäschenetz verwenden um die anderen Stoffe vor den Kletts zu schützen. Aber auch die Kletts können direkt verschleißen, in dem sie nicht mehr richtig schließen. Oft hängen sich viele kleine Fuseln zwischen die Häckchen.
  • Abhilfe: Hier kann mit Hilfe eines sogenannten Klettbürschen / Drahtbürstchen der Verschluß gesäubert werden.

Druckknöpfe / Snaps

Egal welcher Druckknopf - diese werden oft falsch geöffnet. Um die Windel zu öffnen wird oft mit Gewalt an dem Flügel gezogen. So kann aber der Knopf ausreissen.

  • Abhilfe: direkt am Knopf mit den Fingern den Stoff festhalten und öffnen.

Material

Auch das verwendete Material spielt eine große Rolle. Je nachdem ist eine Stoffwindel dann haltbarer oder nicht.

Baumwolle:

ist sehr stabil, lässt sich gut waschen, hoch schleudern und auch im Trockner trocknen. Wenig Hitzeempfindlich. Aber auch Baumwollstoffe können unter falscher Lagerung leiden und der Stoff kann brüchig und rissig werden.

Viskose oder Lyocell:

ist wesentlich empfindlicher. Das liegt an der Faser. Eigentlich sollte Viskose nicht höher als bei 40° Grad gewaschen werden, das ist aber für Stoffwindeln nicht gut. Natürlich sind 60° Grad möglich - allerdings leidet die Faser und damit die Lebensdauer darunter. In den Trockner sollte Viskose ebenfalls nicht unbedingt, die Faser läuft ziemlich ein.

Hanf & Leinen:

beide Stoffe sind ziemlich stabil, lassen sich gut bei hohen Temperaturen waschen und vertragen auch den Trockner. Laufen aber dabei ein.

Mikrofasern aus synthetischen Fasern:

leiden ziemlich bei hohen Waschtemperaturen. Oft verliert die Faser an Form, Saugfähigkeit und eventuell an Elastizität. Stoffwindeln oder Saugeinlagen aus Kunstfasern leiden besonders schnell darunter, dass sich eine Art “Film” auf der Oberfläche ablegt und die Windeln dadurch schnell unangenehm riechen oder Urin schlecht aufgenommen werden kann.

PUL Stoffe:

dieser Nässeschutz ist meistens aus Polyester der auf der unteren Seite eine Beschichtung aus Polyurethan hat (PU L = Polyurethan laminated). Die Beschichtung ist oft anfällig gegen Kratzer und Bleichen sowie zu hoher Hitze (Trockner, lange direkte Sonneneinstrahlung im Sommer). Auch eine lange Lagerzeit im Windeleimer / Wetbag wird nicht gut vertragen.

Lagerung & waschen

Und so kommen wir auch schon zu dem Punkt, der Stoffwindeln am meisten zusetzt (das kommt ja schon bei den oberen Punkten gut heraus): die Art und Dauer der Lagerung von nassen, schmutzigen Windeln sowie das Waschen.

Aufbewahrungszeit gebrauchte Windel:

Es zeigt sich immer wieder, das eine lange Lagerung von schmutzigen, nassen Windeln schlecht für das Material und Zubehör ist. Daher empfhiehlt es sich die Stoffwindeln nur ca. 3 Tage lagern, nicht einweichen und lieber kühl stellen (ohne Fußbodenheizung oder direkt vor dem Heizkörper). Wer Waschlappen verwendet, sollte diese nassen Lappen auch getrennt von den Windeln aufbewahren.

Wasserhärte:

Die Wasserqualität kann eine Rolle spielen. Bei sehr kalkhaltigem Wasser bleiben oft Reste in den Stoffen und die Windeln saugen nach einigen Monaten oft weniger gut als am Anfang. Es gibt die Möglichkeit die Windeln zu “entkalken” also z. B. mit Wäschespüler zu behandeln und von den Rückständen zu befreien. Oder vorbeugend jedem Waschgang einen solchen Wäschespüler zuzufügen (z. b. von Sonett oder Ulrich Natürlich - wird in dem Fall Hygienespüler genannt.)

Waschtemperatur:

Um Bakterien die in den Windeln vorhanden sind abzutöten, sollten Stoffwindeln regelmässig bei 60° Grad gewaschen werden. Die Bakterien führen oft dazu, dass die Stoffe schneller verschleißen, es können richtige Löcher entstehen.

Wassermenge:

Die schmutzigen Windeln am Besten kurz vorwaschen (ohne Waschmittel) und das Wasser abpumpen lassen. So wird die darauf folgende Hauptwäsche nicht mit den Pipi/Kackaresten durchlaufen. Zum Schluß lieber noch einen extra Spülgang durchführen, damit eventuelle Reste (auch vom Waschmittel) noch gut ausgespült werden. Somit sind die Windeln schön sauber und ohne Rückstände.

Waschmittel und Zusätze:

Manche Waschmittel enthalten Enzyme die z. B. kleine abstehende Fasern abrasieren. Somit sieht der Stoff sauberer aus. Das beansprucht aber die Faser (auch stabile wie Baumwolle, Hanf, Leinen). Es wird zwar immer wieder gesagt, dass diese Enzyme ab einer bestimmten Temperatur keine Rolle mehr spielen - aber diese Temperaturen müssen erstmal in der Maschine erreicht werden. Solange sind die Enzyme wirksam. Bestimmte ergänzende Waschmittel beanspruchen ebenfalls die Fasern: Gallseife enthält Rindergalle und darauf reagiert z. B. Viskose empfindlich. Ich habe vor vielen Jahren eine völlig glatte Frotteewindeln in den Händen gehalten - die Besitzer hatten diese jedes Mal mit Gallseife in der Maschine gewaschen.

  • Abhilfe bei Viskose: vegane Fleckenmittel die Panamarindenextrakt oder Zitronenextrakte enthalten.

Viele Bleichen die Chlor enthalten greifen ebenfalls die Fasern an. Sie entfernen Flecken sehr gut - sind aber einfach zu agressiv für die Stoffe.

  • Abhilfe: Sauerstoffbleiche verwenden.

Ausnahme: PUL Stoffe sollten nicht regelmässig mit Sauerstoffbleiche gewaschen werden - oder man akzeptiert einfach, dass die Beschichtung eventuell nicht so lange hält.

Stoffwindeln trocknen

Auch die Art und Weise wie die Windeln getrocknet werden, können zu Schäden führen. Nasse Windeln sind schwer, daher bitte nicht nur mit der Wäscheklammer am Saum befestigen und die nasse Windel hängen lassen. So leiern die Gummibänder schneller aus. Nach Möglichkeit über mehrere Leinen hängen oder flach auslegen.

Trockner: Trockner beeinträchtigen immer die Bekleidung. Das Flusensieb ist nach dem Trockenvorgang voll - und daran ist schon zu erkennen, wieviel Abrieb hier passiert. So wird auf lange Zeit ein Gewebe dünner. Und auch hier können Gummibänder, Klettverschlüsse und auch Knöpfe die Hitze oft nicht gut vertragen und machen schlapp.

Wahrscheinlich kommt jetzt bei einigen Menschen der Gedanke auf: ach, die Stoffwindeln sind ja doch nicht so haltbar. Aber ich wiederhole es nochmal gerne: “Angenommen Stoffwindeln werden 36 Monate verwendet und immer am 4. Tag gewaschen. Dann sind das 365x3 = 1095 / 4 = 273 mal verwendet!!! Und selbst wenn wir sagen “nur” 200 mal - das ist wahnsinnig viel!”

Und ebenfalls schon erwähnt: die “Probleme” treten nicht überall gleich auf und auch nicht bei jeder Familie. Manche Kombination der unterschiedlichen Faktoren trägt stärker zum Verschleiß bei als andere.

Vor allem betroffen sind: Komplettwindeln (Pocketwindeln und All-in-Ones). Besser sind dann die Systeme Höschenwindel kombiniert mit Überhose. Noch weniger anfällig sind Faltwindeln mit Überhosen. Saugeinlagen sind fast gar nicht betroffen ausser das die Saugleistung nachlassen kann. Und bei den One Size Größen fällt es einfach schneller auf als bei Two Size Windeln.

Stoffwindeln sind keine unendlich haltbaren Produkte. Aber das erwartet bei Unterwäsche oder Socken auch niemand. Vor allem nicht bei Kindern.

Du möchtest noch mehr über Stoffwindeln erfahren? Dann kannst Du hier im Blog nachlesen oder auch direkt im Infobereich unseres Shops